Blog

Hier auf dem Blog schreibe ich einige Gedanken zu den Themen, die wir in den Kursen noch viel ausführlicher besprechen und die mir ansonsten noch am Herzen liegen..


Trotzphase - mein kleiner Teufel

Das meist gewünschte Gesprächsthema in unserem aktuellen Hej Zwerge Kurs war „Trotzphase – mein kleiner Teufel...“ 

Wutanfälle haben zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr ihren absoluten Höhepunkt, aber auch schon vorher, wenn unsere Kinder keine Säuglinge mehr sind und sie feststellen, dass ihre Wünsche nicht sofort erfüllt werden oder ihnen äußere Reize einfach zu viel werden, werden sie mit den Gefühlen wie Wut, Angst, Enttäuschung konfrontiert.

Diese Gefühle nehmen dann, für uns Eltern aus dem Nichts heraus, unser Kind ein und wir kommen nicht mehr an es heran. 

Kinder müssen lernen mit dem Stress und der Frustration umzugehen und wir Eltern müssen lernen, dies nicht als Machtkampf oder Böswilligkeit unseres Kindes zu sehen. Auch wir müssen lernen unser Kind zu verstehen und es liebevoll durch die Trotzphase zu begleiten...dass kann auch mitunter sehr kräftezehrend werden...aber es lohnt sich, denn nur so bleiben wir in einer liebevollen Beziehung und Verbindung mit unserem Kind.

Wenn unsere Kinder noch sehr klein, also Säuglinge, sind nutzen sie häufig den Daumen um sich selbst zu beruhigen oder sie drehen den Kopf, um sich der Situation (einem Blick oder einer Spielaufforderung) zu entziehen. Was sie nicht können ist, sich bei starkem Stress, sei es Hunger, Überreizung oder Müdigkeit selbst zu regulieren. Dazu brauchen sie uns Eltern. Wir können sie durch Körper- oder Hautkontakt „fremdregulieren“.

Der Höhepunkt der Trotzphase ist zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr. Die Kinder versuchen stressauslösende Situationen durch schreien zu kompensieren. Gerade in diesem Alter ist eine liebevolle Begleitung und die Fremdregulation durch die Eltern sehr wichtig.

Auch später noch, wenn die Kinder zur Schule gehen, haben sie für uns Eltern oft nicht nachvollziehbare Wutanfälle.

Diese begründen sich oft darin, dass sich unsere Kinder im Laufe ihres Schultags ständig anpassen, kooperieren und „gehorchen“ müssen. Dies löst bei den Kindern Stress aus, der sich dann, wenn sie zu Hause sind und sie nur sie selbst sein müssen, abfällt und sich in einem Wutanfall oder in Gereiztheit entlädt. 

Ich finde alleine das Wissen darum, lässt uns einmal mehr ein Auge zudrücken, wenn wir mal wieder nichts ahnend, freudestrahlend unser Kind von der Schule begrüßen  möchten und nur eine patzige Abfuhr bekommen... 

Aber nun zurück zu den Kleinkindern. 

Anders als bei älteren Kindern und Erwachsenen, dominiert bei Kleinkindern die rechte (kreative, bildhafte, intuitive) Gehirnhälfte. Dies ist auch der Grund dafür, dass uns unsere Kinder immer bei Memorie über den Tisch ziehen....

Die linke Gehirnhälfte im Gegensatz ist für das logische Denken und die Sprache verantwortlich. Diese ist bei unseren Kleinkindern sowieso noch nicht so ausgebildet und verabschiedet sich bei einem Stresserlebnis komplett. Das bedeutet, unser Kind kann gar nicht mehr geduldig zuhören oder kooperieren. Es ist einfach aufgrund seines, sich noch im Wachstum befindenden Gehirns, nicht dazu fähig. 

Das Kind ist nun so wütend, tritt, schreit, spuckt und versteht kein einziges Wort mehr, mit dem wir es zu erreichen versuchen. 

Jetzt ist es wichtig unsere Kinder auf dieser Ebene abzuholen und doch irgendwie zu ihm vorzudringen und es vor allem nicht alleine mit seinem Stress zu lassen. 

Dies funktioniert im Grunde genauso wie wir unsere Kinder bei einer Verletzung trösten.

Wenn es weinend mit schmerzverzerrtem Gesicht angelaufen kommt , schauen wir es intuitiv ebenso traurig und mit schmerzverzerrtem Gesicht an und passen unseren Tonfall an, wir haben Mitleid und verstehen das ein aufgeschlagenes Knie echt mega weh tun kann. 

Und genauso sollten wir auch den Wutausbruch begleiten. Nämlich indem wir empathisch, immer mit dem Hintergrundwissen, dass das Kind gerade wirklich echten Stress erlebt, auch wenn es für uns noch so banal oder unnötig erscheinen mag.  

Wir begeben uns auf Augenhöhe des Kindes und schauen es ebenso, verzweifelt oder wütend an und erheben eventuell unsere Stimme.... vielleicht so: „ Mensch, ich sehe Du bist aber ganz schön sauer! Ich sehe, dass Du wütend bist....“ Wir spiegeln unser Kind quasi. Natürlich nicht in der gleichen Intensität, sondern abgeschwächt aber schon sehr deutlich für das Kind erkennbar. Vielleicht könnt ihr dadurch zu eurem Kind vordringen und es beruhigt sich schnell.  

Denn Mimik, Gestik und Tonfall kommt auch während eines Wutanfalls bei unserem Kind an.

Sollte es sich nicht beruhigen, versucht einfach etwas mit der Intensität des Spiegelns zu variieren. Etwas mehr oder weniger intensiv.

Übrigens, je jünger ihr damit beginnt (ab einem Jahr), desto einfacher wird es sich in der Hochphase der Autonomiephase beruhigen lassen. 

Also im ersten Schritt ist es wichtig, dass wir die Gefühle des Kindes widerzuspiegeln, damit es sich beruhigt und es merkt, dass wir es verstehen und es völlig ok ist, wütend zu sein. Wenn es dann wieder aufnahmefähig ist, können wir versuchen mit ihm die Situation noch einmal durchzugehen und ihm unsere Gründe erklären. 

Natürlich heißt dass nicht, dass wir dem Kind keine Grenzen aufzeigen aber idealerweise schaffen wir es mit dem Kind zu kooperieren.

Auf jeden Fall ist man gut damit beraten, das Thema nachdem der Wut- oder Schreianfall vorüber ist noch einmal in aller Ruhe zu besprechen und zu erklären, warum man nun wirklich vom Spielplatz nach Hause musste oder warum es jetzt eben keinen 3. Schokokeks mehr nehmen sollte.

Neben dem spiegeln sollten wir auch immer die Gesamtsituation im Blick haben. Ist das Kind eventuell müde, hat es Hunger, ist ihm heiß oder kalt, macht es eventuell einen Entwicklungssprung durch?

Ich finde es einfach essentiell das Kind achtsam zu beobachten, um es immer besser kennen zu lernen. Dadurch wird so vieles einfacher und man kann schon frühzeitig auf das Kind eingehen. 

Zudem sollte man dem Kind nie Böswilligkeit unterstellen, denn so berechnend wie wir Erwachsene, können Kinder nicht sein und am Ende wollen sie immer kooperieren.

Und: Wut darf sein, muss ernst genommen werden und muss ein Ventil haben.